Eine schlechte Wahl – Zur Entscheidung den Friedensnobelpreis an María Corina Machado zu verleihen

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an die venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado. Die 1967 in Caracas geborene Vorsitzende der Partei Vente Venezuela wird vom Norwegischen Nobelkomitee für ihren “unermüdliche Einsatz für die demokratischen Rechte der venezolanischen Bevölkerung und ihren Kampf dafür einen gerechten und friedlichen Übergang von der Diktatur zur Demokratie zu erreichen“ ausgezeichnet.[1]

Niemand sollte verwundert sein, dass Donald Trump die Auszeichnung nicht erhalten hat. Dass Donald Trump der Friedensnobelpreis verliehen werden würde, war allein die Wunschvorstellung seiner Anhänger und das wiederum war der Aufhänger dafür, dass einige Journalisten mit Artikeln darüber, ob Trump der diesjährige Preisträger werden würde, billige Klicks zu machen versuchten. Angesichts seines Verhaltens – man denke an seine Drohungen Grönland, Kanada und Panama zu annektieren, die Umbenennung des Verteidigungsministeriums in Kriegsministerium, die Zerstörung der US-amerikanischen Demokratie und den Einsatz des Militärs im Inland – war es nie realistisch, dass er am 10. Dezember die Auszeichnung in Oslo würde entgegennehmen können. Zudem wird sich auch erst zeigen müssen, ob der zwischen Israel und der Hamas verhandelte Waffenstillstand, der ja das Hauptargument der Trump-Unterstützer ist, hält und zu einem dauerhaften Frieden führen wird.

Die Verleihung des Preises an María Corina Machado ist aber nicht – wie jetzt vielfach zu lesen ist – ein Zeichen gegen Trump, denn Machado selbst ist eine Trump-Unterstützerin. Den Preis hat sie neben der venezolanischen Bevölkerung auch Trump gewidmet und das ist höchstwahrscheinlich mehr als bloßes taktisches Kalkül um sich die Gunst des US-Präsidenten zu erhalten. Schon vor seiner Wiederwahl hatte sie klar ihre Unterstützung für ihn kundgetan. Auch vom argentinischen Präsidenten Javier Milei hält sie viel. Als eines ihrer Vorbilder nennt sie die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher. Insgesamt ist sie sehr gut mit Rechtspopulisten und -extremen aus aller Welt vernetzt. Sie gehört zu den Unterzeichnern der vom Foro Madrid initiierten Charta de Madrid, die 2020 von diversen rechtskonservativen bis rechtsextremen Politikern unterschrieben worden war. Die meisten von diesen kommen aus spanischsprachigen Ländern. Es finden sich aber beispielsweise auch Marion Maréchal und Giorgia Meloni auf der mehr als 8.000 Namen umfassenden Unterschriftenliste. Das Foro Madrid wurde auf Betreiben der spanischen Partei Vox als anti-kommunistische Organisation ins Leben gerufen, wobei Anti-Kommunismus hier natürlich nicht bloß als das Eintreten gegen kommunistische Regime wie in Kuba zu verstehen ist, sondern generell gegen alle politischen Ideen, die irgendwie auch nur den geringsten Verdacht erwecken sie könnten links sein, gerichtet ist.

Im besten Fall würde Venezuela nach einem Machtwechsel unter einer Präsidentin Machado zu einer fragilen Demokratie mit neoliberal bis libertär ausgerichtetem Wirtschaftssystem werden, das die großen sozialen Probleme in Venezuela nicht lösen wird und deshalb immer latent instabil bleiben wird. Im schlimmsten Fall wird einfach von einem autokratischen Regime zu einem neuen gewechselt werden.

Venezuela ist das Land mit den größten bekannten Ölreserven. Es könnte ein wohlhabender, florierender Staat sein und einst war es auch eines der reichsten Länder Südamerikas. Es gab jedoch immer große soziale Ungleichheit und viel Armut. Versprechen die sozialen Probleme zu beseitigen brachten Hugo Chávez an die Macht. Er und sein Nachfolger Nicolás Maduro konnten diese Versprechen jedoch nicht halten. Im Gegenteil, sie richteten stattdessen die Wirtschaft zugrunde und sorgten so dafür, dass die Armut noch weiter zunahm. Zugleich bauten sie die Demokratie nach und nach ab. Freie, faire Wahlen gibt es nicht mehr. Machado selbst beispielsweise wurde davon abgehalten 2024 für die Präsidentschaft zu kandidieren. Allerdings wäre die Frage, ob sich für die Mehrheit der Venezolaner viel verbessern würde, wenn sie irgendwann doch noch Präsidentin werden sollte. Wirtschaftlich dürften von den, von ihr favorisierten, Maßnahmen, wie Privatisierungen, vor allem die Wohlhabenden und ausländische Investoren profitieren. Für die einfache Bevölkerung dürfte wenig bis gar nichts herausspringen und vielleicht wird es noch nicht mal ein wirkliches demokratisches Mitbestimmungsrecht geben.

So schlimm Maduros Regime auch ist und so richtig es auch grundsätzlich ist den Einsatz dagegen zu unterstützen, so bedenklich ist im Angesicht des weltweiten Aufstiegs von Rechtspopulismus und -extremismus doch die Auszeichnung Machados. Es hätte Personen gegeben, die den Nobelpreis eher verdient hätten. Zudem könnte sich die Auszeichnung auch als kontraproduktiv für den Frieden erweisen. Machado, der vorgeworfen wird 2002 an einem Putschversuch gegen Chávez beteiligt gewesen zu sein, hat sich dafür ausgesprochen Maduros Regime notfalls auch mit militärischer Gewalt zu beseitigen. Dass die US-Regierung unter Trump nicht zimperlich mit dem Einsatz von Gewalt umgeht, hat sich unter anderem auch durch einen höchstwahrscheinlich illegalen Angriff auf ein venezolanisches Boot, dass angeblich Drogen transportiert haben soll, gezeigt. Durch das Lob Trumps und die Widmung ihres Nobelpreises an ihn, könnte Machado versuchen sich bei Trump mehr Gehör zu verschaffen und ihn zu einer US-Militärintervention in Venezuela zu veranlassen. So könnte dieser Friedensnobelpreis am Ende sogar zu Gewalt führen.


[1] Announcement, Nobel Peace Prize 2025: https://www.nobelprize.org/prizes/peace/2025/press-release/ (Übersetzung des Autors) [Letzter Zugriff: 10. Oktober 2025]

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