The Final Days von Bob Woodward und Carl Bernstein ist im Grunde eine Fortsetzung ihres klassischen Buches zum Watergate-Skandal, All the President’s Men. Es unterscheidet sich jedoch inhaltlich und vom Aufbau her deutlich von seinem Vorgänger. Während All the President’s Men aus der Perspektive der beiden Journalisten geschrieben ist und ihre Recherchearbeit veranschaulicht, ist The Final Days eine allgemeine Darstellung der Ereignisse, die nach dem Ende von All the President’s Men, welches 1974 noch vor dem Rücktritt Nixons publiziert worden war, stattfanden. Es basiert auf zahlreichen Interviews, die die beiden Journalisten mit Personen, die am Skandal beteiligt waren, geführt hatten. Als es 1976 erschien, stieß es auf enormes öffentliches Interesse und wurde sofort zu einem, wenn auch nicht unumstrittenen, Bestseller. Kritisiert an dem Buch wurde vor allem, dass private Details über Nixon und seine Familie öffentlich gemacht wurden und dass die Namen der Quellen für die im Buch enthaltenen Informationen meist unklar sind. Dies liegt daran, dass den Interviewpartnern Anonymität zugesichert wurde, ein Vorgehen, das Bob Woodward auch noch heute verwendet. Dadurch ist es jedoch schwierig die Verlässlichkeit der Informationen zu bewerten.
Das Werk besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil findet sich eine allgemeine Schilderung der Geschehnisse von Ende April 1973 bis Ende Juli 1974. Der zweite Teil schildert Tag für Tag die Ereignisse zwischen dem 24. Juli 1974 und dem 9. August 1974, dem Tag an dem Richard Nixon zurücktrat. Es werden nicht nur die Vorgänge im Weißen Haus beschrieben, sondern auch welche Rolle Nixons Familie gespielt hat und wie sich Spitzenpolitiker im Senat und im Repräsentantenhaus verhalten haben. Aus der Familie Nixons spielen vor allem seine Töchter, Tricia und Julie, sowie deren Ehemänner eine wichtige Rolle. Großen Raum nehmen auch die Anwälte rund um Nixon und die juristischen Auseinandersetzungen um die belastenden Tonbandaufnahmen rund um Watergate, deren Existenz seit Juli 1973 bekannt war, ein.
Berühmt ist vor allem das sogenannte Saturday Night Massacre geworden. Am 20. Oktober 1973 verlangte Nixon von seinem Justizminister (Attorney General) Elliot Richardson den Sonderermittler in der Watergate-Affäre, Archibald Cox, zu entlassen. Richardson weigerte sich und trat zurück. Daraufhin wandte sich Nixon an Richardsons Stellvertreter, William Ruckelshaus. Doch auch dieser weigerte sich und trat zurück. Erst der Dritte in der Rangfolge des Justizministeriums, der Solicitor General Robert Bork, führte Nixons Anweisung aus. Der Schaden für Nixon war enorm und die Ermittlungen wurde er dadurch auch nicht los. Anfang November wurde Leon Jaworski zum neuen Sonderermittler ernannt. Nixon war es vor allem darum gegangen zu verhindern, dass der Inhalt belastender Tonbandaufnahmen öffentlich bekannt wird. Dazu bediente man sich verschiedener Taktiken. Das Saturday Night Massacre war eine davon. Andere waren zum Beispiel der sogenannte Stennis Compromise bei dem man anbot dem schwerhörigen demokratischen Senator John C. Stennis die Tonbänder zur Erstellung von Zusammenfassungen ihres Inhaltes bereitzustellen. Diese Zusammenfassungen sollten dann an die Ermittler übergeben werden. Die Ermittler lehnten dieses Vorgehen jedoch verständlicherweise ab. Des Weiteren wurde in der Tonbandaufnahme vom 20. Juni 1972 eine Lücke von 18 Minuten und 30 Sekunden Länge gefunden. Nixons Sekretärin Rose Mary Woods behauptete diese Stelle versehentlich beim Transkribieren der Aufnahme gelöscht zu haben. Geglaubt haben ihr das nur sehr wenige. Vielmehr ging man davon aus, dass man besonders belastende Aussagen aus einem Gespräch zwischen Nixon und seinem Chief of Staff H. R. Haldeman absichtlich beseitigt hat.
Letztendlich konnten Nixon und seine Anwälte nicht verhindern, dass die Tonbandaufnahmen veröffentlicht wurden. Jedoch erst als der Supreme Court eine unanfechtbare Entscheidung getroffen hatte. Und selbst dann war nicht klar, ob Nixon sich nicht einfach weigern würde der Anordnung des obersten Gerichtes Folge zu leisten. Besonders eine Aufnahme vom 23. Juni 1972, das sogenannte Smoking Gun Tape, war vernichtend für Nixons bisherige Verteidigungsstrategie, zeigte es doch, dass Nixon sehr früh Bescheid wusste und versucht hatte das FBI aus den Ermittlungen heraus zu drängen und diese stattdessen der CIA zu übertragen, worin viele einen Versuch der Justizbehinderung (Obstruction of Justice) sahen.
Mit der Veröffentlichung war Nixons Schicksal endgültig besiegelt. Die Frage war nun nicht mehr, ob er gehen würde, sondern wie: Freiwillig oder durch Amtsenthebung. Denn während er lange Zeit auf große Unterstützung aus den Reihen der Republikanischen Partei zählen konnte, war nach der Veröffentlichung der Aufnahmen sicher, dass das Repräsentantenhaus für ein Impeachment stimmen und im Senat die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit für die Amtsenthebung erreicht werden würde. Nach dem Saturday Night Massacre hatten Meinungsumfragen zum ersten Mal eine Mehrheit für eine Amtsenthebung Nixons gezeigt. Gleichzeitig begannen die Beliebtheitswerte Nixons zu sinken. Als der Justizausschuss des Repräsentantenhauses schließlich im Mai 1974 mit den Anhörungen zur Vorbereitung des Impeachments begann, stießen diese auf enormes öffentliches Interesse. Der Stimmung der Bevölkerung und vor allem den neuen Enthüllungen konnten sich die Abgeordneten und Senatoren nicht mehr verschließen. Nixon war als Präsident nicht mehr zu halten. Eine wichtige Rolle darin Nixon klarzumachen wie schlecht es für ihn aussah, spielte Barry Goldwater, Senator aus Arizona und ehemaliger republikanischer Präsidentschaftskandidat, der Nixon zusammen mit den republikanischen Minderheitsführern im Repräsentantenhaus und im Senat, John Jacob Rhodes und Hugh Scott, kurz vor dessen Rücktritt einen Besuch im Weißen Haus abstattete um ihm den Ernst seiner Lage vor Augen zu führen.
Auch im Weißen Haus war dem Personal klar, dass Nixons Tage im Präsidentenamt gezählt waren. Ähnlich wie bei den republikanischen Mitgliedern des Kongresses nahm die Unterstützung durch Nixons verhalten und die Enthüllungen ab. Am Ende herrschte im Weißen Haus Resignation vor. Alexander Haig, der Nachfolger H. R. Haldemans auf dem Posten des Chief of Staff, und ein Teil der Anwälte versuchten Nixon, nachdem klar war, dass er sich nicht im Amt halten würde, einen möglichst würdigen Abgang aus dem Weißen Haus zu bereiten. Im Hintergrund wurde ein kleines Komitee gegründet, dass den Vizepräsidenten Richard Ford auf die Amtsübernahme vorbereiten und die wichtigsten damit verbundenen Fragen klären sollte. Ford war erst seit kurzem Vizepräsident, denn sein Vorgänger, Spiro T. Agnew, musste aufgrund eines Skandals zurücktreten. Der Plan war vorsichtig darauf hinzuwirken, dass Nixon scheinbar von sich aus zu der Überzeugung kommt, dass es das Beste für ihn selbst und das Land sei zurückzutreten und es nicht auf einen Showdown im Senat ankommen zu lassen, den er aller Wahrscheinlichkeit nach verloren hätte. Ob man damit Erfolg haben würde, war lange Zeit unklar. Nixon, der ja ohnehin als problematische Persönlichkeit galt, machte der Druck durch die Affäre zu schaffen. Man befürchtete, dass er vielleicht Selbstmord begehen oder irrationale und gefährliche politische Entscheidungen treffen könnte. Er selbst schwankte zwischen der Einsicht, dass es zu Ende war und dem Willen bis zum Schluss weiterzukämpfen. Wichtig bei der Entscheidungsfindung war auch seine Familie, die dauernd um ihn herum war. Bei den beiden Schwiegersöhnen Nixons setzte sich letztendlich aber auch die Einsicht durch, dass nichts mehr zu retten war. Schließlich gab Nixon in einer Fernsehansprache am Abend des 8. August 1974 bekannt, dass er am Mittag des folgenden Tages zurücktreten werde.
Was kann man aus diesem Buch für die heutige Zeit lernen, in der mit Donald Trump wieder ein US-Präsident unter Verdacht steht in illegale Machenschaften verwickelt zu sein? Nun zum einen, dass es zwar nicht unmöglich ist, die für eine Amtsenthebung notwendige Mehrheit zusammenzukriegen, jedoch sehr schwierig. Damals wie heute haben die Republikaner lange loyal zu ihrem Präsidenten gestanden. Erst als die Beweislast so eindeutig war, dass man nicht mehr bestreiten konnte, dass Nixon kriminell gehandelt hatte, brach damals die Unterstützung für ihn zusammen. Es wird also ganz darauf ankommen, welche Ergebnisse der Sonderermittler Robert Mueller am Ende vorlegen wird. Sollte er etwas ähnliches wie das Smoking Gun Tape in der Russland-Affäre finden, könnte sich die Stimmung schnell drehen und Trump vielleicht die Amtsenthebung drohen. Wenn nicht, dürfte es schwierig werden, denn die Republikaner sind ja offensichtlich bereit über viele, bis vor kurzem für einen US-Präsidenten undenkbare Dinge hinwegzusehen.
Zum anderen fällt auf, dass viele Verteidigungstaktiken von damals auch heute wieder genutzt werden. Die Medien werden angegriffen und man versucht sie und ihre Recherchen zu diskreditieren. Vorwürfe, dass das alles nur eine verzweifelte Lüge der Opposition sei, die nicht damit klarkomme, die Wahlen verloren zu haben, werden laut. Es werden unliebsame Personen entlassen. Zwar hat es den Sonderermittler selbst (noch) nicht getroffen, die Entlassung des FBI-Direktors James Comey mit einer fadenscheinigen Begründung hat jedoch viele Vergleiche mit dem Saturday Night Massacre hervorgebracht. Schließlich versucht man auch vor Gericht alles Mögliche um das Bekanntwerden belastender Tatsachen zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern.
Ein großer Unterschied zu damals, der Trump hilft, ist, dass es heutzutage Fox News und Social Media gibt. Denn die dadurch entstandenen Medienblasen erlauben Propaganda und Manipulationen. Trump-Anhänger hören so nur wie großartig doch der Präsident und wie teuflisch die Gegenseite ist. Alles Negative über Trump sei Fake News. Dies könnte dazu führen, dass Trump trotz eindeutiger Beweise für kriminelles Verhalten bei seinen Anhängern kaum an Unterstützung verlieren könnte. Was wiederum dazu führen könnte, dass die republikanischen Mitglieder des Kongresses aus Angst das Mandat zu verlieren, sich ebenfalls nicht von Trump abwenden, egal was er auch tut.
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