Wie in jedem Jahr ist auch in diesem ein neuer Kriminalroman aus der Feder von Donna Leon erschienen. Dieses Mal steht ein kleines Jubiläum an, denn es ist Commissario Guido Brunettis zwanzigster Einsatz. Im seinem neusten Fall muss eine unscheinbare ältere Frau, Costanza Altavilla, dran glauben. Sie wird von ihrer Nachbarin, der Übersetzerin Anna Maria Giusti, tot aufgefunden. Giusti war gerade aus Palermo von einer Reise zurückgekehrt und wollte die Post, um die Signora Altavilla sich immer kümmerte, wenn sie unterwegs war, abholen. Eigentlich hatte sie, da es schon spät war, bis zum nächsten Tag warten wollen, als sie aber sah, dass ein Einschreiben für sie angekommen war, entschied sie sich doch noch eben bei Signora Altavilla, die eine Etage unter ihr wohnt vorbeizuschauen. Zuerst hatte sie ihre Nachbarin angerufen, um sich zu erkundigen was das für ein Schreiben war, die Nachbarin nahm jedoch nicht ab. So entschloss sie sich, da sie für alle Fälle einen Schlüssel besaß, die Post selbst zu holen. Dies hatte ihr Signora Altavilla für den Fall, dass sie selbst abwesend ist, gestattet. Als Signora Giusti die Tür zu Signora Altavillas Wohnung öffnen will, stellte sie fest, dass diese gar nicht abgeschlossen war. Im Wohnzimmer fand sie dann ihre Nachbarin am Boden liegend vor. Sie war tot. Ein natürlicher Tod, ein Unfall oder ein Verbrechen?
Signora Giusti rief statt eines Krankenwagens gleich die Polizei. Commissario Brunetti kam der späte Einsatz überhaupt nicht ungelegen, denn er saß gerade bei einem Dienstessen mit Vice-Questore Guiseppe Patta und Tenente Scarpa. Erfreut von den beiden loszukommen, machte er sich zu Fuß auf den Weg zum Haus, in dem die beiden Frauen wohnten. Später trafen auch noch sein Kollege Ispettore Lorenzo Vianello, die Spurensicherung und die Gerichtsmediziner ein. Signora Giusti erzählte Brunetti, dass sie, nachdem sie festgestellt hatte, dass Signora Altavilla keinen Puls hatte und kalt war, die Polizei gerufen habe, da sie einen kleinen Blutfleck neben ihrem Kopf gesehen habe. Doch das Blut musste nichts bedeuten, denn in der Nähe der Leiche gab es einen Heizkörper. Die Dame konnte einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben und als sie zu Boden stürzte sich dort den Kopf gestoßen haben. Aber die genaue Todesursache würde erst die Obduktion klären. Der Pathologe, Doktor Ettore Rizzardi, versprach Brunetti den Bericht zukommen zu lassen, sobald er fertig sei. Brunetti und Vianello schauten sich auch in der Wohnung um. Sie war einfach und altmodisch eingerichtet. Alles war ordentlich und nichts deutete darauf hin, dass beispielsweise jemand einen Raubüberfall auf die Dame verübt und in der Wohnung nach Wertsachen gesucht hätte. Im Gästezimmer der Wohnung entdeckte Brunetti jedoch etwas Merkwürdiges. In den Schubladen einer Kommode fand er einfache, verpackte Damenwäsche in verschiedenen Größen, sowie andere bereits benutzte, aber frisch gewaschene Kleidungsstücke, ebenfalls in verschiedenen Größen. Warum waren bloß solche Dinge in dieser Kommode? Normalerweise bringen Gäste ja ihre eigene Unterwäsche mit. Um drei Uhr morgens verließen sie die Wohnung. Alles deutete auf einen natürlichen Tod hin, doch Brunetti war irritiert über einen dunklen Fleck am Schlüsselbein der Toten.
Später am Tage wurde Brunetti, nachdem er unruhig geschlafen und nicht pünktlich in der Questura erschienen war, von Patta angerufen. Dieser beorderte ihn sofort in sein Büro. Patta interessierte sich sehr für den Fall, da die Tote die Mutter des Tierarztes seines Sohnes gewesen war. Des Weiteren sollte keine Unruhe in der Öffentlichkeit entstehen, weil die Polizei zum Tode eine älteren Dame Ermittlungen anstellte. Nach dem Gespräch mit Patta rief Brunetti Claudio Niccolini, den Tierarzt, an. Niccolinis Praxis lag in Vicenza, aber Niccolini war bereits nach Venedig gereist und befand sich als Brunetti anrief in dem Krankenhaus, in dem die Leiche seiner Mutter untersucht wurde. So machte sich Brunetti auf den Weg ins Krankenhaus. Dort sprach er sowohl mit Niccolini, als auch mit dem Gerichtsmediziner Rizzardi. Da es Niccolini nicht gut ging, verließen sie das Krankenhaus und besuchten eine Bar auf dem Platz davor. Sie tranken Kaffee und gingen dann wieder auf den Platz hinaus. Rizzardi sagte, dass die Todesursache Herzversagen gewesen sei. Es sei auf jeden Fall schnell gegangen. Niccolini fragte nach, was es mit der Blutspur auf sich habe von der Signora Giusti ihm erzählt habe. Rizzardi antwortete, dass diese wahrscheinlich davon herrühre, dass Niccolinis Mutter mit dem Kopf gegen einen Heizkörper gestürzt sei und dass dies deshalb nicht in Widerspruch zu seinem Befund über die Todesursache stehe. Schließlich verabschiedete sich Rizzardi, da er einen Termin hatte und Brunetti blieb alleine mit Niccolini zurück. Brunetti schlugt vor, essen zu gehen. Niccolini willigte ein. Der Commissario erfuhr während des Essens, dass der Tierarzt seine Mutter früher regelmäßig besucht hatte. Seitdem seine Frau Zwillinge geboren hatte, war es aber umgekehrt. Seine Mutter besuchte ihn nun. Auch erzählte Niccolini, dass seine Mutter, die einmal Lehrerin gewesen war, nach ihrer Pensionierung regelmäßig ein Altenpflegeheim in Bragora besucht habe und dort den Bewohnern vorgelesen oder zugehört habe und mit ihnen bei gutem Wetter nach draußen gegangen sei. Unter dem Vorwand das Heim über den Tod informieren zu wollen, beabsichtigte Brunetti der Einrichtung einen Besuch abzustatten. Zusammen mit Vianello befragte er die Oberin, Madre Rosa. Diese war misstrauisch gegenüber den beiden Männern und das Gespräch deshalb nicht sehr ergiebig. Nach dem Gespräch hatten Vianello und Brunetti den Eindruck, dass sie ihnen nicht alles gesagt hatte. Brunetti bekam einen Anruf von Rizzardi. In diesem teilte der Pathologe ihm mit, dass der dunkele Fleck an der Toten von einem Daumen stammen könnte. Brunetti hatte schon die Vermutung gehabt, dass Rizzardi in Anwesenheit von Niccolini nicht alles erzählt hatte. Es wäre möglich, dass Signora Altavilla vor ihrem Tode gewürgt worden war. Die Todesursache war aber eindeutig ein Herzinfarkt. Die Frage war nun: Wollte jemand sie umbringen und hat durch das Würgen den Herzinfarkt ausgelöst? Und wenn ja, würde man dies in einer Art und Weise beweisen können, die vor Gericht standhielt?
Am nächsten Tag statteten Brunetti und Vianello Signora Giusti einen Besuch ab, um mit ihr über ihre tote Nachbarin zu sprechen. Doch vorher schauten sie sich noch einmal die Wohnung der Toten an. Dort fanden sie im Grunde nichts Bemerkenswertes. Nur ein Paar Nägel in den Wänden, an denen einmal Bilder gehangen haben müssen, fielen ihnen auf. Des Weiteren fragten sie sich, was man mit dem dritten Schlüssel an dem Schlüsselbund, den Signora Altavilla Signora Giusti gegeben hat, öffnen könnte. Vielleicht wusste ja Signora Giusti eine Antwort. Sie hatte mitbekommen, dass die beiden Polizisten in der Wohnung unter ihrer waren und deshalb schon erwartet, dass sie auch zu ihr kommen würden. Mit dem Schlüssel konnte sie ihnen auch nicht weiterhelfen. Sehr widerwillig erzählte sie den Polizisten, dass ihre Nachbarin öfters Besuch von Frauen gehabt hatte. Es waren Frauen, denen von Männern Gewalt angetan worden waren und denen sie für eine Zeit lang Obdach geboten hatte. So etwas hatte Elettra Zorzi, Pattas Sekretärin, bereits vermutet, als ihr Brunetti von dem merkwürdigen Inhalt der Kommode im Gästezimmer erzählt hatte. Die Frauen, die sie beherbergt hatte, waren von einer Hilfsorganisation namens Alba Libera zu ihr geschickt worden. Sie blieben dann bei ihr, bis man für sie in einer anderen Stadt eine Wohnung und im besten Falle auch Arbeit gefunden hatte. Damit ergab sich nun ein Motiv dafür, warum jemand – ein wütender Ehemann oder Zuhälter – sie hätte töten wollen können. Vermittelt durch Signorina Elettra kam Brunetti in Kontakt mit Maddalena Orsoni, der Leiterin von Alba Libera. Da Signora Orsoni erst am nächsten Tag mit ihn sprechen wollte, beschloss er noch einmal das Altenpflegeheim aufzusuchen. Dort wollte er von der Oberin wissen mit welchen der Bewohner Signora Altavilla besonders häufigen Kontakt hatte. Es waren drei Personen: Signora Cannata, Signora Sartori und Dottor Grandesso. Zuerst sprach Brunetti mit Signora Cannata, die im Speisesaal saß, danach mit Dottor Grandesso, der, weil er schon sehr gebrechlich war, in seinem Zimmer im Bett lag. Schließlich ging er zu Signora Sartori, die auch im Speisesaal gegessen hatte, sich aber nun wieder auf ihrem Zimmer befand. Das Gespräch mit der Dame wurde jäh von ihrem Lebensgefährten unterbrochen, der ins Zimmer kam und zu wissen verlangte wer Brunetti war und was er dort zu suchen hätte. Brunetti wollte das nicht preisgeben und dachte sich eine Geschichte aus. Er wäre von der Rentenversicherung und benötige wichtige Informationen von Signora Sartori. Das Verhalten des Mannes ihm gegenüber wäre empörend. Er würde doch nur seine Arbeit machen und helfen wollen. Der Mann verlor seine aggressive Haltung und versuchte den vermeintlichen Rentenversicherungsbeamten zu beschwichtigen, wollte er doch eine mögliche Rentenerhöhung für seine Lebensgefährtin nicht gefährden. Doch Brunetti stürmte aus dem Zimmer und verließ eilig das Altenpflegeheim.

Wieder in die Questura zurückgekehrt, sprach er mit Signorina Elettra, die Informationen über Signora Sartori und den Mann besorgen soll. Dann rief Signora Orsoni an und teilte ihn mit, dass sie früher Zeit für ihn hätte. Daraufhin verabredeten sie sich in einer Bar. Er erfuhr, dass sie Alba Libera vor vier Jahren gegründet hatte, weil ihre Schwester von ihrem Schwager getötet worden war. Der Staat und seine Organe hätten ihre Schwester damals nicht schützen können, also wollte sie selbst etwas tun, um bedrohten Frauen zu helfen. Das Ganze war weder für die versteckten Frauen noch für die Gastgeberinnen ganz ungefährlich, denn es gelang einzelnen Männern immer wieder die vor ihnen geflohenen Frauen ausfindig zu machen. Sie berichtete, dass sie von einer der Frauen, die bei Signora Altavilla gewohnt hatten, gehört hätte, dass Signora Altavilla etwa einen Monat vor ihrem Tod sichtlich nervös gewesen sein soll. Der Grund dafür wäre ihr aber nicht bekannt. Kurz vor dem Tode hätte es dann einen Zwischenfall gegeben von dem Signora Orsoni erst erzählte als Brunetti subtil damit drohte dafür zu sorgen, dass ihre Organisation schlecht in der Öffentlichkeit dastünde, was dann wahrscheinlich Auswirkungen auf die Spendenbereitschaft haben würde. Nico Martucci, der Ex-Freund der Frau, die damals bei ihr gewohnt hatte, hätte Signora Altavilla kontaktiert, jedoch nicht etwa, um sie und die Frau zu bedrohen, sondern um sie vor der Frau, die sich Gabriela Pavon nannte, zu warnen. Sie wäre eine Betrügerin und Diebin, die Geschichten erfinden und dann die Leute, die ihr Unterschlupf gewähren, bestehlen würde. Er hatte Signora Altavilla auch Zeitungsartikel und Polizeiberichte gegeben, die seine Schilderungen bewiesen hätten. Dies war am Tage vor ihrem Tode geschehen. Signora Altavilla hatte daraufhin bei Signora Orsoni angerufen. Beide sprachen mit Signora Pavon, die die Wohnung verlassen musste und von Signora Orsoni ein Ticket nach Rom gekauft bekam und zum Zug gebracht wurde. Brunetti fragte sich, ob es möglich wäre, dass sie noch einmal zurückgekommen sein und etwas mit dem Tode von Signora Altavilla zu tun haben könnte.
In der Questura hatte Signorina Elettra inzwischen ihre Recherchen zu Maria Sartori und ihrem Lebensgefährten, Benito Morandi, abgeschlossen. Doch bevor Brunetti sich den Dokumenten widmete, rief er erst einmal bei einem befreundeten Polizisten in Treviso an, um Informationen über Gabriela Pavon und Nico Martucci einzuholen. Gabriela Pavon war nicht der richtige Name der Dame. Sie war auch schon unter verschiedenen anderen Falschnamen aufgetreten. Wie sie wirklich hieß, war nicht bekannt. Nico Martucci hingegen hieß wirklich so, war Chemielehrer und allem Anschein nach ein gänzlich unbescholtener Bürger. Danach rief er Vianello an und beide schauten sich die Informationen zu Signora Sartori und Signor Morandi gemeinsam an. Es fiel ihnen auf, dass die beiden nicht verheiratet waren. Obwohl er dies rechtlich nicht musste, bezahlte Morandi für seine Lebensgefährtin einen großen Teil der Kosten für die Unterbringung im Altenpflegeheim. Es stellte sich die Frage, woher das Geld dafür kam, denn die monatlichen Renten von beiden zusammen decken nicht einmal die Hälfte der Kosten des sehr teuren Heims. Sie erinnerten sich, dass sie die Namen schon mal gehört hatten. Beide waren Zeugen bei der Unterzeichnung des Testaments der Marie Reynard, einer reichen und schönen französischen Witwe, die in Venedig gelebt hatte und zu Lebzeiten eine Legende gewesen war. In ihrem Testament, dass erst kurz vor ihrem Tode aufgesetzt worden war, hatte sie ihr Vermögen, das Immobilien, Ländereien, Kunstwerke, Wertpapiere und ein sehr wertvolles Patent umfasste, ihrem Rechtsanwalt vermacht. Es kam der Verdacht auf, dass das schwer zu lesende Testament gar nicht von Madame Reynard geschrieben worden war. Der Rechtsanwalt hatte sowieso einen recht zweifelhaften Ruf gehabt. Nachweisen konnte man das aber nicht, zumal Signora Sartori und Signor Morandi bezeugt hatten, dass sie beide selbst gesehen hätten, wie Madame Reynard das Testament unterzeichnet hatte. Beide hatten damals in dem Krankenhaus, in dem Madame Reynard lag und kurze Zeit später auch starb, garbeitet. Benevento Cuccetti, der Rechtsanwalt, hatte an dem Erbe nicht allzu lange Freude gehabt. Er war nur zwei Jahre später gestorben. Seine Witwe, Matilda Querini, hatte schließlich das gesamte Vermögen der Kirche vermacht. Von Signora Querini hatte Signor Morandi kurz nach dem Tode von Madame Reynard eine Wohnung erworben. Er war ein paar Monate zuvor in Rente gegangen und hatte kein Vermögen, hätte sich die Wohnung also eigentlich nicht leisten können. Es hatte aber auch keinerlei Zahlungen für den Kauf der Wohnung auf dem Konto von Signor Morandi gegeben. Der Vorgang war also verdächtig. Es fiel auch auf, dass seitdem Signora Sartori im Altenpflegeheim war, alle paar Monate ein paar tausend Euro bar auf das Konto eingezahlt worden waren, sodass die Kosten für das Heim beglichen werden konnten. Darüber hinaus ging aus den vorliegenden Unterlagen hervor, dass Signor Morandi früher öfters mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, meist wegen Diebstahl oder Hehlerei. Nachdem er im Krankenhaus angefangen hatte, endeten seine Gesetzesverstöße aber scheinbar.
Nachdem sie mit der Durchsicht der Dokumente fertig waren, ging Brunetti nach Hause zum Essen mit der Familie. Am nächsten Morgen rief er den Tierarzt Niccolini an. Ihn beschäftigten die Nägel in der Wand von Signora Altavillas Wohnung an denen früher vermutlich Bilder gehangen hatten. Niccolini war schon aufgefallen, dass Bilder fehlten. Möglicherweise waren sie von Gabriela Pavon gestohlen worden als sie die Wohnung der Toten hatte verlassen müssen. Als nächstes wollte Brunetti Vice-Questore Patta davon überzeugen offizielle Untersuchungen einzuleiten, um Zugriff auf weitere Dokumente erlangen zu können. Es gelang ihm schließlich auch, den erst dem Vorschlag ablehnend gegenüberstehenden, Patta umzustimmen. Daraufhin ließ Elettra ihre Kontakte spielen, um dafür zu sorgen, dass ein junger Richter zustimmte und sie legal an weitere wichtige Dokumente kamen. Unter den Dokumenten, die am nächsten Morgen bereitstanden, befand sich unter anderem das Testament. Auch eine Liste der vererbten Besitztümer war enthalten. Es stellte sich heraus, dass die Wohnung, die Signor Morandi gekauft hatte, nicht zum Erbe von Madame Reynard gehört hatte, sondern sich schon länger im Besitz von Signora Querini befunden hatte. Der vereinbarte Kaufpreis hatte 150.000 Euro betragen, auch damals ein sehr niedriger Preis. Die Wohnung war also wahrscheinlich der Lohn für die Beglaubigung des gefälschten Testaments gewesen. Die Urkundenfälschung war jedoch inzwischen verjährt. Brunetti und Vianello bezweifelten aber, dass Morandi das wusste. Ein vorstellbares Szenario war, dass Signora Sartori Signora Altavilla von der Fälschung erzählt hatte und Signora Altavilla, der Ehrlichkeit und Gerechtigkeit nach der Aussage von Madre Rosa sehr am Herzen gelegen hatte, dann Signor Morandi damit konfrontiert hatte. Dieser hatte sie dann gewürgt, was schließlich zu ihrem Herzinfarkt geführt hatte. Eine offene Frage blieb, wo das Geld herkam, mit dem die Gebühren für das Altenpflegeheim bezahlt wurden. Dass Morandi weiterhin Diebstähle beging, erschien als sehr unwahrscheinlich, denn dann wäre er sicher irgendwann dabei erwischt worden. Eine Erpressung schied aus, da Cuccetti und seine Frau tot waren und das Vermögen dann bei der Kirche gelandet war. So nahmen Brunetti und Vianello an, dass Morandi für die Unterzeichnung des Testaments noch etwas bekommen haben musste, dass er jetzt Stück für Stück verkaufte. Beim Blick in die Unterlagen viel ihnen auf, dass die ersten beiden Zahlungen nicht bar, sondern per Scheck getätigt worden waren. Die Schecks waren von Nicola Turchetti, einem Kunsthändler, ausgestellt worden. Er galt als Mann mit großer Expertise, stand allerdings auch in dem Ruf zweifelhafte Geschäftspraktiken zu haben. Brunetti rief Turchetti an, doch seine Sekretärin wollte ihn abwimmeln. Als er jedoch Conte Orazio Falier, seinen reichen und gut vernetzten Schwiegervater, der ein Kunde des Kunsthändlers war, erwähnte, wurde er zu Turchetti durchgestellt. Brunetti wollte Turchetti sofort treffen und machte sich auf den Weg zu ihm. Der Kunsthändler wollte zuerst nicht mit der Wahrheit über seine Geschäfte mit Signor Morandi herausrücken, überlegte es sich dann aber anders, als Brunetti darauf hinwies, dass sein Schwiegervater und dessen reiche Freunde es wohl nicht so gut fänden, wenn öffentlich bekannt werden würde, dass gegen den Kunsthändler im Rahmen eines Mordfalls ermittelt werde. Daraufhin erzählte Turchetti, dass er Morandi regelmäßig Zeichnungen abgekauft hatte. Die Kaufpreise, die er dafür gezahlt hatte, lagen weit unter dem Marktwert, aber Morandi wusste das nicht, da er keine Ahnung von Kunst hatte. Brunetti ließ sich die Namen der Kunstwerke geben und kehrte dann ins Büro zurück.
Von dort aus rief er Morandi an. Sie vereinbarten sich in fünfzehn Minuten auf dem Platz vor dem Altenpflegeheim zu treffen. Nach einem kurzen Abstecher in die Asservatenkammer, machte er sich auf dem Weg zum Treffpunkt, wo er Morandi auf einer Bank sitzend vorfand. Zuerst musste er Morandi gestehen, dass er kein Beamter der Rentenversicherung war, sondern Polizist. Morandi war davon nicht überrascht. Er sagte, dass er schon als er Brunetti das erste Mal gesehen hatte, gedacht hätte dieser sei Polizist und dass er schon lange erwartet hätte, dass sich die Polizei bei ihm melden würde, wegen dem was er getan hätte. Dann ging er in das Altenpflegeheim, um seine Lebensgefährtin zu besuchen. Die Ärzte waren kurz vorher bei ihr gewesen und Morandi wollte danach zu ihr. Brunetti folgte ihm ins Heim und setzte sich in einen Warteraum. Als Morandi aus dem Zimmer seiner Partnerin zurückkam, war er aufgelöst und wütend auf die Ärzte. Dann zeigte Brunetti ihm den Schlüssel vom Schlüsselbund den Signora Altavilla Signora Giusti gegeben hatte und fragte ihn danach. Es stellte sich heraus, dass es der Schlüssel zu einem Bankschließfach war in dem Morandi die Kunstwerke, die er für die Beglaubigung des falschen Testaments erhalten hatte, aufbewahrte. Die Kunstwerke hatte Morandi bekommen, da er Cuccetti und dessen Versprechungen nicht getraut und gleich etwas Handfestes verlangt hatte. Die Kiste mit den Kunstwerken hatte sich damals in Madame Reynards Krankenzimmer und somit in Reichweite befunden, weswegen Cuccetti sie ihm angeboten hatte. Signora Sartori, so war Morandi überzeugt, hatte zuerst nichts von all dem gewusst. Er hatte ihr erzählt, dass er selbst gesehen hätte, wie Madame Reynard das Testament unterschrieben hätte und sie dann dazu gebracht die Unterschrift auch fälschlicherweise zu bezeugen. Aber später war sie dahintergekommen, dass Morandis Schilderung nicht stimmte. Und nun hatte sie sich Signora Altavilla anvertraut und ihr den Schlüssel gegeben und diese hatte ihn zur Sicherheit anschließend Signora Giusti anvertraut. Morandi hatte dann Signora Altavilla einen Besuch abgestattet, um sich den Schlüssel zurückzuholen, denn er musste wieder Bilder verkaufen, um das Heim zu bezahlen. In ein billigeres staatliches Heim wollte er seine große Liebe nicht schicken, da die Pflege dort ziemlich schlecht war. Seine Wohnung wollte er auch nicht verkaufen, solange sie noch lebte, denn vielleicht wollte sie noch einmal dorthin zurückkehren, um noch einmal den Ausblick auf San Marco zu genießen. Morandi hatte das Gefühl, dass Signora Sartori seine Gefühle nicht in gleicherweise erwiderte und mit ihm vor allem zusammen war, weil sie im Alter nicht allein sein wollte. Trotzdem tat er alles für sie. Dass er als Mieter des Schließfachs auch ohne den Schlüssel an dessen Inhalt hätte kommen können, auch wenn es etwas Aufwand und Zeit gekostet hätte und Signora Altavilla, als unberechtigte Person, nicht einfach Zugriff gehabt hätte, war ihm wohl nicht bekannt. Als Signora Altavilla ihm den Schlüssel nicht gab, habe er sie – an der Tür stehend – nur an den Schultern gepackt, mehr nicht. Das deckte sich nicht mit der Spurenlage, aber Brunetti entschied sich die Sache nicht weiter zu verfolgen. Er hatte wenig Sympathie für Morandi, der ein einfacher, grober Mann war, der leicht in Rage geriet und eine kriminelle Vergangenheit hatte. Doch ihn rührte es wie jener sich um seine todkranke Partnerin kümmerte und er wollte nicht, dass Signora Sartori in ihren letzten Lebensmonaten noch zusätzlich litt.
Reiches Erbe ist ein eher gemächlicher Kriminalroman. Der Schwerpunkt liegt nicht auf einer spannenden Krimihandlung, sondern auf Brunettis Gedanken und der Stadt, durch die er spaziert. Vieles kennt man schon aus den vorherigen 19 Romanen. Venedig ist schön, aber der Tourismus und der damit verbundene Kommerz zerstören die Schönheit. Die Politiker sind inkompetent und korrupt. Am besten kommt man voran, wenn man Connections hat. Vice-Questore Patta interessiert sich vor allem dafür wie er und seine Behörde möglichst gut in der Öffentlichkeit dastehen und dass nichts den Tourismus stört. Signorina Elettra ist wie immer eine Virtuosin am Computer, die alles herausfindet, wenn auch meist nicht auf ganz legalem Wege. Die Kinder von Brunetti werden auch nicht älter. Das was sich an diesem Buch vom Gewohnten abhebt, ist der Schluss. Der Leser weiß am Ende was passiert ist, aber der Täter wird nicht bestraft, sondern laufen gelassen. Dabei stellt sich dem Leser natürlich die Frage, ob das gerecht ist. Darf der Kommissar den Täter, der zudem auch wenn man vom Mord absieht kein allzu sympathischer Charakter ist, verschonen, weil er sich liebevoll um eine alte Frau kümmert, die bald sterben wird. Hätte nicht Signora Altavilla ein Recht darauf, dass ihr Mörder bestraft wird? Insgesamt ist der Kriminalroman jedoch eher leichte Lektüre, die man im Sommerurlaub am Strand weglesen kann. Den eingefleischten Fans der Reihe dürfte auch dieser Fall wieder gefallen, es stellt sich jedoch die Frage, ob es nach zwanzig Fällen noch reizvoll ist die Bücher zu lesen. Vieles ist doch altbekannt und immer gleich. Man verpasst jedenfalls nichts, wenn man das Buch nicht liest.
Das Buch
- Leon, Donna: Reiches Erbe. Commissario Brunettis zwanzigster Fall, Zürich: Diogenes 2012.
- Das englischsprachige Original erschien als: Leon, Donna: Drawing Conclusions, London: William Heinemann 2011.
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