Als schon einmal ein Verbrecher im Weißen Haus saß – „All the President’s Men“ von Bob Woodward und Carl Bernstein

Es gilt als das klassische Buch zum Watergate-Skandal. All the President’s Men von Bob Woodward und Carl Bernstein. Erschienen im Jahre 1974, beschreibt es die Recherchen der beiden Washington-Post-Journalisten, die schließlich dabei halfen Richard Nixon zu Fall zu bringen. Heutzutage, wo wieder ein unmoralischer, wahrscheinlich krimineller Präsident im Weißen Haus sitzt, stellt sich die Frage, was sich aus Watergate für die heutige Situation möglicherweise lernen lässt.

Es begann alles mit einem missglückten Einbruch. Am 17. Juni 1972 wurden fünf Männer dabei erwischt wie sie in das Hauptquartier des Democratic National Committee im Watergate-Gebäudekomplex einbrachen und versuchten Abhörgeräte zu installieren. 1972 fanden Präsidentschaftswahlen statt und Richard Nixon wollte für eine zweite Amtszeit gewählt werden. Die Ironie der Geschichte ist, dass Nixon die Wahl höchstwahrscheinlich auch ohne schmutzige Tricks gewonnen hätte und seine zweite Amtszeit dann nicht hätte vorzeitig beenden müssen.

Das ganze Ausmaß der kriminellen Machenschaften des Weißen Hauses unter Richard Nixon war zu Anfang natürlich noch nicht abzusehen. Schnell wurden jedoch Kontakte zwischen den Einbrechern und dem Committee for the Re-Election of the President (CRP, von Nixon-Gegnern aber auch gerne mit der Abkürzung CREEP versehen) sichtbar. Zum einen fanden sich die Kontaktdaten eines Mitgliedes des CRP in den Adressbüchern der Einbrecher, zum anderen gab es finanzielle Verbindungen. Das Weiße Haus leugnete natürlich jegliche Beteiligung an den Geschehnissen und tat das Ganze als drittklassigen Einbruchsversuch ab.

Zu Beginn war es vor allem die Washington Post mit den beiden damals jungen Reportern Woodward und Bernstein, die dafür sorgte, dass der Skandal nicht aus der Öffentlichkeit verschwand und die Spuren, die zum Weißen Haus führten weiterverfolgt wurden. Wie auch heute bei der Berichterstattung über Trump, spielten anonyme Quellen eine überragende Rolle. Die berüchtigtste und wichtigste damals war Deep Throat, der sich erst Jahrzehnte später als Mark Felt, damals als Associate Director zweithöchster Beamter im FBI, herausstellte. Ohne derartige Quellen wäre wohl vieles im Dunkeln geblieben und Nixon hätte wahrscheinlich sein Amt behalten. Weiterhin spielten die schon erwähnten finanziellen Verbindungen zwischen den verschiedenen Beteiligten eine wichtige Rolle bei den Recherchen. Die Devise lautete: „Follow the money.“ Auch bei Trump könnten seine finanziellen Verbindungen, insbesondere zu Russland, eine bedeutende Rolle bei der Aufklärung der Verdachtsmomente gegen ihn spielen.

Das Buch ist auf die Arbeit Woodwards und Bernsteins fokussiert, sodass man über die Entwicklungen außerhalb der Recherchen der Washington Post nur am Rande erfährt. Es ist keine Gesamtdarstellung des Watergate-Skandals und endet mit Richard Nixons State-of-the-Union-Address im Januar 1974, in der er fordert: „One year of Watergate is enough.“ Es kann auch schon deshalb keine Gesamtgeschichte des Skandals sein, weil das Buch ein paar Monate vor dem Rücktritt Nixons am 9. August 1974 erschien. Das Ende der Präsidentschaft Richard Nixons schildern Woodward und Bernstein in einem anderen Buch, The Final Days.

All the President’s Men zeigt anschaulich, wie schwierig es war den Quellen ihr wissen zu entlocken und die erlangten Informationen durch eine zweite Quelle zu bestätigen. Die Entscheidungen darüber eine Geschichte zu bringen oder nicht führten in der Redaktion oft zu langen Diskussionen. Wie heute auch griff das Weiße Haus die Presse an und versuchte negative Berichte zu diskreditieren. Die Washington Post durfte also keine Fehler machen um keine zusätzliche Angriffsfläche zu bieten. Das gelang jedoch in einem Fall nicht. So wurde durch ein Missverständnis im Bestätigungsprozess berichtet, dass Hugh Sloan, vormaliger Schatzmeister des CRP, der jedoch nicht an den Watergate-Einbruchsplänen beteiligt war, vor einer Grand Jury ausgesagt habe, dass H. R. Haldeman, Nixons Chief of Staff, in den Watergate-Skandal verstrickt sei. Dies war natürlich Wasser auf die Mühlen derjenigen, die der Washington Post einen politisch motivierten Feldzug gegen Nixon unterstellten. Haldeman war eine der Schlüsselfiguren des Watergate-Skandals und Sloan wusste auch um finanzielle Verbindungen zwischen den Einbrechern und Nixons Umfeld, jedoch hatte er sich darüber vor der Grand Jury nicht geäußert, weil er nicht dazu befragt wurde.

Es gab von Seiten des Weißen Hauses einen enormen Druck auf die Ermittlungsbehörden ihre Nasen nicht zu tief in die Watergate-Geschichte zu stecken. Die Versuche des Weißen Hauses die Ermittlungen zu behindern sind eine weitere Parallele zu Heute. Bei Woodwards und Bernsteins Recherchen stellte sich schnell heraus, dass viele Spuren von der Justiz nicht oder nur halbherzig verfolgt worden waren. Letztendlich konnten diese Versuche Nixons Präsidentschaft jedoch nicht retten, sondern zogen viele weitere Personen aus Nixons Umfeld mit hinab.

Zu Anfang hatte der Skandal jedoch wenig Auswirkungen. Nixon wurde mit einer überwältigenden Mehrheit wiedergewählt. Erst viel später, als sich deutlich zeigte, dass außer dem Watergate-Skandal noch viele weitere Gesetzesübertretungen auf das Konto des Weißen Hauses und seiner speziellen Abteilung für Spionage und andere rechtlich bedenkliche Operationen, den sogenannten Plummers, gingen und, dass der Präsident davon wusste und diese gutgeheißen hatte, kippte die Stimmung. Es gab zwar immer noch einige die Nixon trotz immer neuer Enthüllungen die Stange hielten, seine Zustimmungswerte stürzten aber auf um die 25 Prozent ab. Vor allem aber wandten sich viele republikanische Senatoren von ihm ab. Genug um ihn zusammen mit den Stimmen der Demokraten des Amtes zu entheben. Dies führte schließlich dazu, dass Nixon um dem zuvor zu kommen selbst das Amt aufgab.

Trump hat, im Gegensatz zu Nixon, der vor dem Watergate-Skandal große Zustimmung erfahren hatte, schon jetzt sehr niedrige Beliebtheitswerte. Die Frage ist wie weit sie noch durch weitere Enthüllungen, zum Beispiel einen umfangreichen Report des Sonderermittlers Robert Mueller, sinken können oder ob sie bereits den harten, so gut wie unerschütterlichen Kern seiner Anhängerschaft darstellen. Denn nur wenn Trump so extrem unbeliebt bei seinen eigenen Wählern werden würde, dass bei den Wahlen ein katastrophales Ergebnis für die Republikaner auch in ihren Hochburgen droht, würden sich wohl genug republikanische Senatoren finden, damit der Senat die Amtsenthebung beschließen könnte. Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint dies als sehr unwahrscheinlich, aber niemand kann ahnen was noch alles ans Licht 

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